Logbuch Canis lupus familiaris – Sternzeit 306.98885°

Prinz Harry und Nani lernten sich im Internet kennen. Der ungarische Hochadelige, aus einem Hause stammend, in dem Sammelleidenschaft zum Verhängnis wurde, wartete schon während des ersten Dates taktvoll mit seinem feinfühligen Charakter auf. Die Frau der Tierschutzorganisation bezeichnete es etwas schlichter und drückte ihm mit einem: „Hier das Sensibelchen“ in die Arme seiner frischgebackenen Hundemama.

Es mag einem seltsam erscheinen, wie kommt eine vegetarische Jagdgegnerin zu einem Dackel? Obendrein steht sie ja auch schon im Dienstverhältnis der Perserladys Edda und Else! Vielleicht hat sie als Fünfjährige zu oft ihr Lieblingslied: Mein Dackel Waldemar und ich, wir zwei… gesungen. Oder die Vorbestimmung musste mal wieder mit einer konzeptsprengenden Herausforderung zuschlagen.

Wie dem auch sei – das Kind ist in den Brunnen gefallen. Seitdem Prinz Harry eingezogen ist, hat sich nicht nur an der Einrichtung einiges verändert. Er trägt jetzt den bürgerlichen Namen Waldemar Siegert alias Waldi. Eddas und Elses Blicke sind vorwurfsvoller geworden. Und Nani hat das Phänomen eingeholt, dass das eigene „Kind“ mit all seinen Macken, das schönste, erstaunlichste, absolut liebenswerteste Wesen der ganzen Welt ist. Egal wieviel Aufmerksamkeit der kurzbeinige Rauhaarkerl seiner Umgebung abverlangt, zuweilen verhilft er den ein oder anderen unkonzentrierten Besucher durch Kasperdackelei zur erwünschten Beachtung seiner Persönlichkeit, schreckt auch nicht davor zurück, den Gast hierfür notfalls zu behuckeln, er ist ihre Nummer eins geworden.

Zwei Jahre mit diesem jagdambitionierten Carni-Omnivoren kristallisieren mehr Gemeinsamkeiten heraus als jeder Welcher-Hund-passt-zu-Nani-Berater vermutet hätte. Beide essen unheimlich gerne, dreimal am Tag und sehr wählerisch in der jeweiligen Ernährungsform. Waldi mag es der Landschaft Löcher zu verpassen und draußen ungestört seiner Berufung nachgehen zu dürfen. Nani mag es im Gras zu sitzen und ihm dabei zuzuschauen. Beide kennen Kuschelpositionen, die die Couch in eine Chill-Lounge verwandeln. Sie lieben es. Nähert sich auf ihren Runden jemand von hinten, geschieht es nicht etwa aus Höflichkeit, dass das Duo stehenbleibt und den Fremden vorüberziehen lässt. Beide sind Skeptiker. Geht Waldi hinter sein Frauchen in Deckung, läuft Nani für ihn zum heiligen Rochus von Montpellier, den Schutzpatron der Hunde, auf.

Nur beim Thema – Hund im Bett – bevorzugt Waldi eher eine konservative Haltung. Zum Schlafen geht der Dackel in seine Höhle und die befindet sich unter dem Bett.

Stille Wasser sind tief, aber nicht auf Partys. Steigt auf der Hundewiese eine, zeigt Herr Siegert, unerwartete Fähigkeiten. Hierbei liegt es wohl am Apfel, der bekanntlich nicht weit vom Stamm fällt. Sorry, Nani.

Es wird immer deutlicher, was sich das Schicksal hierbei gedacht hat. Also Dackel und Nani, das passt!

Den beiden die formidablesten Hundejahre mit allem Drum und Dran!

(C) 2026 Anja Ziegenbein

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